Aufstellungsseminare sind eine tiefe und besondere Erfahrung menschlichen Miteinanderseins. Hier kommen Menschen für ein oder mehrere Tage zusammen, um eigene Anliegen zu klären und als Stellvertreter füreinander da zu sein.
Die Person, die ein eigenes Anliegen aufstellen möchte, wählt nach einem kurzen Gespräch Stellvertreter aus und stellt diese im Raum auf. Ich arbeite sehr still, sodass sich die Aufstellung überwiegend im Schweigen vollzieht. Sie führt über mehrere Zwischenschritte zu einer heilsamen Lösung. Auch die als Stellvertreter ausgewählten Personen erleben ihre Erfahrungen in den Stellvertreterrollen oft als bereichernd und fühlen sich beschenkt.
Es ist möglich, aber nicht notwendig, sich vor der Aufstellung mit den theoretischen Grundlagen zu beschäftigen. Die Aufstellung wirkt durch sich selbst. Die Teilnehmenden brauchen keine Vorkenntnisse. Als ich das erste Mal eine Aufstellung erlebte, hatte ich noch nie vorher vom Familienstellen gehört. Und doch vollzog sich eine Wirkung, die noch Jahre danach Gutes tut. Später habe ich dann einige Bücher gelesen. Zuerst "Was die Seele krank macht und was sie heilt" von Thomas Schäfer. Dann auch andere Bücher von und über Bert Hellinger und seine Arbeit. Diese Bücher ermöglichten mir neue Sichtweisen. Wirklich wichtig ist aber ein Sich-Einlassen in das, was sich in der Aufstellung zeigt.
Wenn Sie sich für ein Seminar anmelden, erhalten Sie einen vorbereitenden Fragebogen. Er ist nur für Sie selbst gedacht, als Orientierung im vorbereitenden Gespräch, nicht zum Abgeben im Seminar und enthält in etwa folgende Fragen:
Gab es bei Ihnen, Ihren Eltern oder Großeltern Kinder, die tot geboren wurden, früh starben oder früh weggegeben wurden? Gab es Fehlgeburten, Totgeburten oder Abtreibungen? Hat jemand in der Familie einen Elternteil in der Kindheit oder Jugend verloren? Hatte einer der Eltern oder Großeltern vor oder während der Ehe wichtige andere Partner und sind Kinder aus diesen Beziehungen hervorgegangen? Gab es in Ihrer Herkunftsfamilie besondere und schwere Schicksale, wie Behinderung, Adoption, schwere Krankheiten, psychische Erkrankungen, Gewalt, Tod durch Unfall, Mord, Suizid oder ähnliches? Gab es Kriegsereignisse wie Gefangenschaft, Flucht, Verfolgung, Vertreibung?
Sie müssen nicht. Aber Sie können. Es genügt, wenn man zunächst für sich selbst aufstellt und so seinen Lösungsweg in der Seele trägt. Erfahrungsgemäß hat das im Laufe der Zeit auch Auswirkungen auf die anderen Familienmitglieder, ohne dass diese dabei waren. Da gibt es immer wieder erstaunliche Erfahrungen. Plötzlich meldet sich eine Schwester wieder, die zehn Jahre keinen Kontakt gesucht hat. Und das, obwohl sie nichts von der Aufstellung wusste. Oder ein Vater sucht sein Kind, das er bisher nicht kannte.
Die Wirkung der Aufstellung vollzieht sich über den Rahmen der aufstellenden Personen hinaus. Denn wenn sich ein Element eines Systems verändert, hat das auch immer eine Wirkung auf das ganze System. Haben Sie jedoch die Möglichkeit, eine vertraute Bezugsperson mitzubringen, ist dies möglich und kann sehr hilfreich sein.