Renate Wirth

Familienaufstellungen

Familienaufstellungen
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Aufstellungsseminare


Eine schwierige Kindheit und Schicksalsschläge in unserer Familie können zu Problemen in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf, zu ständiger Suche, unbestimmter Trauer oder Krankheit führen. Diese immer wiederkehrenden Probleme mindern unsere Lebenskraft und schränken uns in unseren Handlungsmöglichkeiten ein.

Familienaufstellungen zeigen die Dynamiken auf, die unsichtbar hinter diesen Problemen wirken und machen sie sichtbar.

Familienaufstellungsseminare sind eine tiefe und besondere Erfahrung menschlichen Miteinander seins. Hier kommen Menschen für ein oder mehrere Tage zusammen, um eigene Anliegen zu klären und als Stellvertreter füreinander da zu sein.

Die Person, die ein eigenes Anliegen aufstellen möchte, wählt nach einem kurzen Gespräch Stellvertreter aus und stellt diese im Raum auf. Ich arbeite sehr still, so dass sich die Aufstellung überwiegend im Schweigen vollzieht. Sie führt über mehrere Zwischenschritte zu einer heilsamen Lösung. Auch die als Stellvertreter ausgewählten Personen erleben ihre Erfahrungen in den Stellvertreterrollen oft als bereichernd und fühlen sich beschenkt.

Was geschieht ganz konkret?


Alle Teilnehmer sitzen auf Stühlen im Kreis. Der Stuhl neben mir ist für diejenige oder denjenigen frei, der als nächstes aufstellen wird. Im Raum ist Stille. Dann bitte ich eine Person neben mich. Ich frage sie nach besonderen Ereignissen in der Familie und nach ihrem Anliegen. Dann bitte ich sie, sich für bestimmte Familienmitglieder Stellvertreter aus der Gruppe auszuwählen und diese im Raum aufzustellen. Die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer sucht sich dann z.B. eine Person für den Vater, eine für die Mutter, Personen stellvertretend für die Geschwister und eine Person für sich selbst und stellt diese im Raum auf.

Der Klient bleibt gesammelt. Er fasst die Personen an den Schultern und führt sie an einen Platz im Raum. Dabei geht er ganz nach seinem Gefühl, möglichst ohne viel zu denken. Er stellt sie einfach hin. Das ist schon alles.

Die Stellvertreter nehmen wahr, was sie fühlen. Ein Bild der Beziehungen entsteht. Es ist zumeist deutlich zu sehen und zu fühlen und berührt tief. Es gilt, zu sehen und anzuerkennen, was ist. Auch wenn es schmerzhaft ist. Erst durch dieses Sichtbarwerden ist über mehrere Zwischenschritte eine Lösung möglich.

Während in der Anamnese natürlich gesprochen wird, wenn es um das Anliegen und die Familiengeschichte geht, arbeite ich in den Aufstellungen vorwiegend im Schweigen, damit sich tiefe Seelenbewegungen vollziehen können. Denn die Seele hat keine Worte, sie hat innere Bilder.

Bewegungen der Seele


Im Laufe der Jahre hat das Familienstellen in seiner Methodik eine deutliche Wandlung erfahren. Das Familienstellen in seiner ursprünglichen Form arbeitet überwiegend mit Sätzen, die eine heilende und lösende Wirkung zeigen. In den Aufstellungen zeigte sich später immer klarer, dass sich im Familiensystem Seelenbewegungen vollziehen, die an den Bewegungen der Teilnehmer sichtbar werden.


Der Aufstellende greift nur sehr wenig in diese Bewegungen ein. Die Arbeit wird damit immer differenzierter und dichter. Wenn der Aufstellende, der Klient und die Gruppe gesammelt sind, entsteht so ein Seelenbild der Familie und ihrer Bewegungen. Es wird ein für die Seele wirksames neues heilendes "Lösungsbild" anstelle des alten Bildes gesetzt, das eine Lösung auf einer tiefen Ebene möglich werden lässt.

Diese Art der Aufstellungsarbeit setzt Stille, Sammlung und eine phänomenologische Haltung voraus, um damit arbeiten zu können.

Ohne Anliegen geht es nicht


Es gibt so verschiedene Anliegen wie es Menschen gibt. Einengende Gefühle können sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext zu Kraftverlust oder gar zu Krankheit führen und uns an eine Grenze bringen, die wir bisher nicht überschreiten konnten.

Eine Aufstellung ohne ein Anliegen geht nicht! Es kann jedoch sein, dass Sie das Anliegen nicht genau erfassen und formulieren können, dass es sich im Laufe des Seminares ändert oder dass mehrere Anliegen sich überlagern. Das ist nicht selten so, es ist kein Problem und liegt in der Sache selbst begründet. Verstrickungen oder Identifizierungen mit Familienmitgliedern ermöglichen manchmal keine eigene Klarheit. Der vorbereitende Fragebogen und das Anamnesegespräch unterstützen Sie, Ihr Anliegen dann zur Aufstellung zu benennen.

Ein vorbereitender Fragebogen


Wenn Sie sich für ein Seminar anmelden, erhalten Sie einen vorbereitenden Fragebogen. Er ist nur für Sie selbst gedacht, als Orientierung im vorbereitenden Gespräch, nicht zum Abgeben im Seminar und enthält in etwa folgende Fragen:

Gab es bei Ihnen, Ihren Eltern oder Großeltern Kinder, die tot geboren wurden, früh starben oder früh weggegeben wurden? Gab es Fehlgeburten, Totgeburten oder Abtreibungen? Hat jemand in der Familie einen Elternteil in der Kindheit oder Jugend verloren? Hatte einer der Eltern oder Großeltern vor oder während der Ehe wichtige andere Partner und sind Kinder aus diesen Beziehungen hervorgegangen? Gab es in Ihrer Herkunftsfamilie besondere und schwere Schicksale, wie Behinderung, Adoption, schwere Krankheiten, psychische Erkrankungen, Gewalt, Tod durch Unfall, Mord, Suizid oder ähnliches? Gab es Kriegsereignisse wie Gefangenschaft, Flucht, Verfolgung, Vertreibung?

Auf die Aufstellung vorbereiten


Es ist hilfreich, wenn Sie wichtige schicksalhafte Ereignisse Ihrer Familie und der dazugehörigen Personen erfahren können. Die Ereignisse, die in unseren Familien auf uns einwirken können, sind sehr vielfältig. Besonders schwere Schicksale sind in den Familien oft mit einem Tabu belegt, um den damit verbundenen Schmerz, die Schuldgefühle und die Scham nicht zu erinnern. Doch gerade diese Ereignisse, die oft nicht geachtet wurden, wirken im System weiter.

Die Eltern, Großeltern und Verwandten zu den Schicksalen in der Familie zu befragen, ist oft schon eine große Bereicherung. So kann manchmal bereits im Vorfeld ein lange gehütetes Tabu aufgehoben werden. Oder ein vertrautes Gespräch ermöglicht ein neues Gefühl von Nähe. Je mehr Sie erfahren, desto einfacher, klarer und hilfreicher kann die Aufstellung für Sie werden.

Sollten Sie keine Möglichkeit haben, Ihre Familiengeschichte zu erfragen, ist eine Aufstellung trotzdem möglich. Die Bewegungen vollziehen sich, und was wichtig ist, wird sich zeigen, wenn wir darauf vertrauen können.

Muss oder kann ich meine Familie mitbringen?


Sie müssen nicht. Aber Sie können. Es genügt, wenn man zunächst für sich selbst aufstellt und so seinen Lösungsweg in der Seele trägt. Erfahrungsgemäß hat das im Laufe der Zeit auch Auswirkungen auf die anderen Familienmitglieder, ohne dass diese dabei waren. Da gibt es immer wieder erstaunliche Erfahrungen. Plötzlich meldet sich eine Schwester wieder, die zehn Jahre keinen Kontakt gesucht hat. Und das, obwohl sie nichts von der Aufstellung wusste. Oder ein Vater sucht sein Kind, das er bisher nicht kannte.

Die Wirkung der Aufstellung vollzieht sich über den Rahmen der aufstellenden Personen hinaus. Denn wenn sich ein Element eines Systems verändert, hat das auch immer eine Wirkung auf das ganze System. Haben Sie jedoch die Möglichkeit, eine vertraute Bezugsperson mitzubringen, ist dies möglich und kann sehr hilfreich sein.

Sind Vorkenntnisse wichtig?


Es ist möglich, aber nicht notwendig, sich vor der Aufstellung mit den theoretischen Grundlagen zu beschäftigen. Die Aufstellung wirkt durch sich selbst. Die Teilnehmenden brauchen keine Vorkenntnisse. Als ich das erste Mal eine Aufstellung erlebte, hatte ich noch nie vorher vom Familienstellen gehört. Und doch vollzog sich eine Wirkung, die noch Jahre danach Gutes tut.

Später habe ich dann einige Bücher gelesen. Diese Bücher ermöglichten mir neue Sichtweisen. Wirklich wichtig ist aber ein Sich-Einlassen in das, was sich in der Aufstellung zeigt. Es ist ein Vollzug im Herzen, den man vorher nicht durchdenken kann. Doch wer sich gern im Vorfeld informieren möchte, es gibt inzwischen eine Vielzahl an Büchern zum Thema Familienstellen.